Im Atelier hängen und stehen Arbeiten aus dem Freundeskreis KUNSTdemokratie – einem solidarischen Netzwerk von Künstlerinnen und Künstlern, das sich nicht über Stil oder Markt definiert, sondern über eine gemeinsame Idee: Kunst als demokratische Praxis. Die Sammlung wirkt wie eine Kartografie der Gegenwart. Unterschiedliche Handschriften, politische Setzungen, leise und laute Positionen. Keine kuratorische Glättung, kein übergeordnetes Thema. Die Besucherinnen und Besucher müssen selbst sortieren, lesen, verknüpfen – und genau darin liegt die Freiheit dieses Raums.
Zu sehen sind Arbeiten von Jeannette Abée, Juliane Daldrop, Carola Humboldt, Gloria Pense, Viola Wandrey, Konstanze Winkelsen, Astrid Bransky, Carmen Canto, Asma Ounine, Lars Schumacher, Michael Kirmes‑Seitz, Ottmar Bergmann, Michael Tilgen, Tim Pernitzsch, Johann Leschinkohl, Rolf Westphal, Franz J. Hugo, Klaus Julius Brenzel, Josef Wilms, Herbert Laschet, Wolfgang Endler, Rolf Schwechheimer, Axel Philipp, Fabian Fritz, Wolfgang Hille, Susanne Schumacher, Oscar Bächthold, Schädelwaldt, Antonio Moreno Garrido und weiteren. Gemeinsam zeigen sie, wie vielfältig diese demokratische Idee gedacht werden kann – als offenes Feld, das sich jeder Besucher selbst erschließt.
Wieczoreks Ansatz knüpft an die Tradition der sozialen Skulptur, der Mail Art und der Fluxus‑Bewegung an, allerdings ohne nostalgische Rückgriffe. Es geht nicht um Zitate, sondern um Weiterdenken. Während große Institutionen über Teilhabe sprechen, praktiziert er sie einfach. Während der Kunstmarkt sich selbst optimiert, öffnet er Räume, die sich jeder Optimierungslogik entziehen.
48 Stunden Neukölln ist dafür der ideale Resonanzraum. Seit 1999 verwandelt das Festival den Bezirk in eine offene Galerie, die sich nicht über Eintrittspreise oder Exklusivität definiert, sondern über Neugier. Kunst taucht dort auf, wo man sie nicht erwartet: in Spätis, Hinterhöfen, Kellern, Parks, Treppenhäusern. Man bleibt stehen, kommt ins Gespräch, verliert sich, findet sich wieder.
Wer an diesem Samstag bei Wieczorek vorbeischaut, erlebt ein Atelier, das sich nicht abschottet, sondern aufmacht. Ein Ort, der zeigt, wie lebendig Kunst sein kann, wenn sie nicht repräsentieren muss, sondern passieren darf. Neukölln wird für zwei Tage zu einem wilden, poetischen, manchmal chaotischen, aber immer offenen Kunstfeld. Und mittendrin: ein Hinterhaus, eine Treppe, ein Atelier – und ein Künstler, der zeigt, dass Demokratie auch eine ästhetische Form sein kann.
Zum Schluss bleibt eine persönliche Note: Ich freue mich sehr, dass Rainer Wieczorek erneut ein Projekt organisiert hat – und dass meine eigene Arbeit in dieser vielstimmigen Präsentation enthalten ist.