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Postkunst auf Festival in Polen - PO-MOSTY 2025

In einer Welt, die von digitalen Reizen überflutet wird, wirkt Mail Art fast wie ein poetischer Anachronismus – und doch ist sie aktueller denn je. Auf dem diesjährigen internationalen Festival der visuellen Künste PO-MOSTY WIELOKULTUROWOŚCI in Częstochowa und Zawiercie nimmt Mail Art - Postkunst, eine besondere Rolle ein: als Medium der Verbindung, als künstlerischer Brief zwischen Kulturen und als stiller Protest gegen das Vergessen.

Was ist Mail Art? Mail Art – oder Postkunst – ist eine Kunstform, die seit den 1960er Jahren existiert und sich über das Versenden von Kunstwerken per Post definiert. Es geht nicht nur um das Objekt selbst, sondern um den Akt des Sendens, des Teilens, des Kommunizierens. In Zeiten von Algorithmen und automatisierten Nachrichten ist Mail Art ein zutiefst menschlicher Ausdruck.

Mail Art auf dem Festival: Brücken aus Papier - Im Rahmen von PO-MOSTY 2025 wurde ein internationales Mail-Art-Projekt initiiert, das Künstler:innen aus über 40 Ländern einlädt, ihre Werke auf dem Postweg einzusenden. Die Beiträge – Collagen, Zeichnungen, Texte, Fotografien – sind nicht kuratiert im klassischen Sinne, sondern demokratisch nebeneinander präsentiert. Jeder Brief ist ein Fenster in eine andere Welt, ein Echo einer individuellen Stimme.

Die Ausstellung vom 24.08.2025 - 12.09.2025 zeigt, wie Mail Art Grenzen überwindet: geografische, politische, sprachliche. Sie ist ein künstlerisches Netzwerk, das sich nicht über Plattformen, sondern über Umschläge und Briefmarken entfaltet. Die Werke sind oft kleinformatig, aber in ihrer Aussage gewaltig – von Friedensbotschaften über Umweltkritik bis hin zu persönlichen Reflexionen.

Die Ästhetik des Zufalls - Ein besonderer Reiz der Mail Art liegt in ihrer Unvorhersehbarkeit. Jeder Beitrag trägt Spuren seiner Reise: Knicke, Stempel, handschriftliche Notizen. Diese Patina des Unterwegsseins wird nicht retuschiert, sondern bewusst integriert. Die Ausstellung in der Konduktorownia in Częstochowa inszeniert diese Werke nicht steril, sondern lässt sie in ihrer rohen, authentischen Form wirken – wie Fundstücke einer globalen Schatzsuche.

Mail Art als Widerstand - In Zeiten von Krieg, Vertreibung und sozialer Spaltung wird Mail Art auf dem Festival auch als Form des Widerstands verstanden. Viele Beiträge stammen aus Regionen, in denen Kunstfreiheit keine Selbstverständlichkeit ist. Der Akt, ein Werk zu versenden, wird hier zur politischen Geste – leise, aber unübersehbar. Die sechste Ausgabe zeigt Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus 42 Ländern. Die Festivalleiterin ist Anita Grobelak von der Künstlergruppe ATINA, seit 2024 auch Vorsitzende des Regionalen Kunstfördervereins in Częstochowa.

Festivalstart ist am kommenden Wochenende. Es beginnt die 6. Ausgabe des Internationalen Festivals der visuellen Künste „PO – Brücken der Multikulturalität“, diesmal unter dem Motto „Silesia“ (August–September 2025). Das Festival findet in zwei Städten der Woiwodschaft Schlesien statt: Częstochowa und Zawiercie. Es wurde ursprünglich in Częstochowa ins Leben gerufen und wird nun auf Zawiercie ausgeweitet – unter anderem wegen der dort entspringenden Warta, die auch durch Częstochowa fließt.

Die Mail Art auf PO-MOSTY 2025 ist keine nostalgische Spielerei, sondern ein lebendiges Zeugnis globaler Verbundenheit. Sie zeigt, dass Kunst nicht laut sein muss, um gehört zu werden – manchmal reicht ein Brief, um eine Brücke zu bauen. International: Künstlerinnen und Künstler aus 42 Ländern nehmen teil – darunter Deutschland, Japan, Brasilien, Frankreich, Iran, USA und viele mehr.

Veranstalter und Partner: Künstlergruppe ATINA, Kunstförderverein Częstochowa, Kulturzentrum „CENTRUM“ in Zawiercie, Stadt Zawiercie, Galerie Stara Łaźnia, Galerie Zwiastun, Fotoklub Polen, Nova Photo Art Group, Magazin APEL. Künstlerische Leitung: Anita Grobelak; Kuratorenteam: Karolina Kindler-Skowronek, Jolanta Kuśmierska, Joanna Matyja, Agnieszka Mrozek, Waldemar Siatka

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ausstellung: Perter Abajkovics, Ram Krishna Agrawal, Zahra Alizadeh, Lutz Anders, Romualda Anioł-Lubas, Žiedūnė Aleknaitė, Derya Avcı, Jeff Bagato, Ali Asker Bal, Agnieszka Balewska, Joanna Banek, Sabela Baña, Avni Xh Behluli, Maria Grazia Brusegan, Małgorzata Buczek-Śledzińska, Alfonso Caputo, Christine Carré, Sabriye Çelik, Rajesh Chand, Jenny Carola Dussan Charry, Ryosuke Cohen, Nani Corina, Vlasta Črčinovič Krofič, Renata Danicek, Resshma Das, Binod Dawadi, Rebeca Dorich, Edyta Dzierż, Marta Frąckowiak, Gloria Fu Keh, Picasso Gaglione, Urmila Gahnolia, Roman Golub, Mariusz Gosławski, Michał Graczyk, Adjei Gregory, Anita Grobelak, Guroga, Nihal Güres, Ahmet Hakan, Ula Hellebrand, Alexandre Herve, Uwe Höfig, Suzlee Ibrahim, Monica Jain Goyal, Maria Janiga, Juraj Jonke, Dominik Kamiński, Małgorzata Kania, Marzena Kaspieruk, Michael Kazemi, Mehri Khodabakhshhessar, Sahar Khodsiani, Keith Kitz, Wojciech Kołsut, Marta Konieczny, Alicja Kowalska, Iwona Kręciwilk, Ashok Kumar, Daiva Kupstienė, Jolanta Kuśmierska, Felipe Lamadrid, Ciarán Leonard, Altea Leszczyńska, Daiva Linauskaite, Patrycja Longawa, Virginie Loreau, Iwona Machoń-Pluszczewska, Bernard Mailer, Krystyna Malinowska, Katerina Mandarik, Rohini Manindra, Amol Mathur, Krzysztof Mazoń, Christophe Massé, Michelangelo Mayo, Suely Castro Mello, Anna Mészáros, Rahul Mhetre, Jolanta Michalak, Amal Missaoui, Verdiana Calia, Mattia Montemezzani, José Antonio Hinojos Morales, Agnieszka Mrozek, Maya Lopez Muro, Keiichi Nakamura, Marzieh Namdar, Rahman Nikbakht, Paweł Pacholec, Vilius Paulauskas, Janina Partyka-Pojęta, Juan Fran Núñez Parreño, Irena Paskali, Giovanni StraDa, Renata StraDa, Maria Piątek, Bruno Pierozzi, Laura Pintus Lapis, Zuzanna Poplewska, Rittiner & Gomez, Abdolreza Rabeti, Negar Rabeti, Radoslav Rochallyi, Lesya Ros, Marcia Rosenberger, Elżbieta Anna Sadkowski (Samek), Jyoti Saini Siddiqui, Reen Sanderse, Roberta Savolini, Lars Schumacher, Izabela Sehn-Wójcik, Hannah Shapiro, Constantin Simidreanu, Anna Śliwińska, Antida Taheri, Irina Tall, Antida Tammaro, Horst Tress, Danièle Turgeon, Simon Warren, Agnieszka Wójtowicz, Huang Wu – Peng, Adam Wyżlic, Aliasghar Valinejad, Carlos Eduardo Vera, Dragana Vesović, La Toàn Vinh, Birgitta Volz, Viktoriia Yaniv, Maryam Hossein Ali Zadeh Khorasani, Nono Zilahi, Jolanta Ziółkowska, Felhazi Lenke Zsuzsanna, Nika Zusin, Diana Żarów.

Ein weiteres besonderes Highlight des Festivals findet in Zawiercie wird im September die Ausstellung „Gedächtnis des Wassers“ gezeigt – inspiriert von der Quelle des Flusses Warta. Ergänzt wird sie durch die Schau „Elemente und Mythen von Anita Grobelak“.

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