Direkt zum Hauptbereich

Postkunst in Ungarn

In einer Zeit, in der das Alltägliche oft übersehen wird, gelingt der Ausstellung „Sör és kenyér“ – Bier und Brot – ein bemerkenswerter Kunstgriff: Sie erhebt das Gewöhnliche zum Gegenstand ästhetischer Reflexion. Vom 19. bis 24. August 2025 verwandelt sich Abschnitt 7 der Morpheusz-Galerie im Podmaniczky-Schloss in Aszód in ein Labor für künstlerische Transformation, kuratiert von Sz. Jánosi Erzsébet.

Der Titel der Ausstellung ist mehr als ein folkloristisches Augenzwinkern. „Bier und Brot“ steht hier als poetische Metapher für die Spannung zwischen materieller Existenz und geistiger Nahrung – ein Thema, das in der zeitgenössischen Kunst zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die Werke, die in diesem Rahmen gezeigt werden, oszillieren zwischen dokumentarischer Direktheit und konzeptueller Tiefe. Sie greifen das Alltägliche auf, um es zu dekonstruieren, zu verfremden und neu zu kontextualisieren.
Ein kuratorisches Statement
Die Handschrift von Sz. Jánosi Erzsébet ist deutlich spürbar: Ihre Auswahl der Werke zeigt ein feines Gespür für die Schnittstellen zwischen lokaler Identität und globaler Kunstsprache. Unterstützt vom Team des Integrierten Kulturinstituts Aszód (AIKI) und flankiert von Institutionen wie der Ungarischen Elektrografischen Gesellschaft, gelingt ihr eine Ausstellung, die nicht nur visuell überzeugt, sondern auch intellektuell fordert.Die Eröffnung durch den interdisziplinären Künstler Vass Tibor – selbst ein Grenzgänger zwischen Wort und Bild – setzt den Ton: Hier wird Kunst nicht als elitäres Objekt verstanden, sondern als Medium des Dialogs. Die Begrüßungsworte von Bürgermeisterin Györféné Dr. Hajdú Szilvia und AIKI-Direktor Asztalos Tamás verankern die Ausstellung fest im lokalen Kontext, ohne ihre überregionale Relevanz zu schmälern.
Abschnitt 7 der Morpheusz-Galerie ist mehr als ein Ausstellungsraum – er ist ein kuratorisches Konzept. Die historische Architektur des Schlosses, das einst aristokratische Repräsentation und später Bildung beherbergte, wird hier zum Resonanzkörper für zeitgenössische Kunst. Die Wahl dieses Ortes ist ein Statement: Geschichte wird nicht konserviert, sondern aktiviert. Die Morpheusz-Galerie – benannt nach dem Gott der Träume – steht für Wandel und Metamorphose. In diesem Geist begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart, Alltag und Kunst, Brot und Bier.
Die Kunstzeitschrift Spanyolnátha begleitet die Ausstellung fotografisch und publizistisch. Damit wird „Sör és kenyér“ nicht nur lokal erfahrbar, sondern auch Teil eines größeren kunstkritischen Diskurses. Die digitale Präsenz auf www.spanyolnatha.hu sichert der Ausstellung eine nachhaltige Sichtbarkeit über ihre Laufzeit hinaus.
„Sör és kenyér“ ist keine Ausstellung im klassischen Sinne – sie ist ein kuratorischer Essay, ein visuelles Gedicht über das Leben, das Denken und das Sehen. Sie fordert uns auf, das Gewöhnliche neu zu betrachten und darin das Außergewöhnliche zu entdecken. In einer Welt, die sich oft in Spektakel verliert, erinnert uns diese Ausstellung daran, dass Kunst auch im Einfachen wohnen kann.
ARTIST: Abakóvics Péter, Alexandru Jakabházi, Andrei Alecsandru Pantea, Antal Lux, Bánfi József, Bányay Anna, Barti Magdolna, Beaty Czető, Birgitta Volz, Biró Ildikó, Biró József, Bornemisza Rozi, Budaházi Tibor, Buglyó István József, C. Humel, Chevalier Daniel C. Boyer, Csintalan András, Czimada István, Danka Attila, Deák-Zelena Veronika, Fábián-Dobrián Fatime, Fabrizio Pavolucci, Fazekas Balogh, Fülöp József, Fülek Krisztina, Fülek Veronika, Galántai György, Ghyczy György, Giovanni und Renata StraDada, Goran Dimek, Hanna Stanislawska, Haász Ágnes, Horst Tress, Horváth Piroska, Horváth Tamás, Hugo Pontes, Jacsó Pál, Janisch Kornélia, Janisch Nell, Juan Fran Núñez Parreño, Judit Zirczi, Juhász Dorina, Juraj Jonke, Kádár Katalin, Karoly Balajti, Kartali Zsuzsanna, Keiichi Nakamura, Kecskés Péter, Kiss Ilona, Kiss Katalin, Kun Marcellka, Kutasi Kovács László, Lars Schumacher, Lengyel Zsuzsanna, Lisztely Endre, Lutz Beeke, Marcel Heisig, Márta István, Massimo Conti, Melanie Baries, Michelangelo Mayo, Mirta Caccaro, Ovidiu Petca, Pálasti Erzsébet, Páz Csaba, Pázmány Péter, Pedro Bericat, Pedro Gonzalves Garcia, Pittmann Zsófi, Radoslav Rochallyi, Renata Danicek, Réti Ágnes, Rittiner & Gomez, Roberto Scala, Roman Golub, Ruggero Maggi, Ryosuke Cohen, Sabela Baña, Simon Warren, Stephen Tomasko, Suely Castro Mello, Susan Gold, Suzilee Ibrahim, Szentgyörgyi Erika, Sz. Jánosi Erzsébet, Szamos Iván, Szarka Hajnalka, Szenteghyő Gábor, Szolláth Katalin, Szőnyi Krisztina, Szűcs Barbara Eszter, Takács Beáta, The Wasted Angel, Tofu, Toan Vinh La, Tóth Sarolta, Tűrődloff (Remsey Benjamin), Üveges Tamás, Uwe Höfig, Veress Jázmin, Veszel Jázlog, Vittore Baroni, Wolfgang Günter, Zlatko Krstevski, Zsubori Ervin, Zdenka Starčević, _guroga

Beliebte Posts aus diesem Blog

Postkunst auf Festival in Polen - PO-MOSTY 2025

In einer Welt, die von digitalen Reizen überflutet wird, wirkt Mail Art fast wie ein poetischer Anachronismus – und doch ist sie aktueller denn je. Auf dem diesjährigen internationalen Festival der visuellen Künste PO-MOSTY WIELOKULTUROWOŚCI in Częstochowa und Zawiercie nimmt Mail Art - Postkunst, eine besondere Rolle ein: als Medium der Verbindung, als künstlerischer Brief zwischen Kulturen und als stiller Protest gegen das Vergessen. Was ist Mail Art?  Mail Art – oder Postkunst – ist eine Kunstform, die seit den 1960er Jahren existiert und sich über das Versenden von Kunstwerken per Post definiert. Es geht nicht nur um das Objekt selbst, sondern um den Akt des Sendens, des Teilens, des Kommunizierens. In Zeiten von Algorithmen und automatisierten Nachrichten ist Mail Art ein zutiefst menschlicher Ausdruck. Mail Art auf dem Festival: Brücken aus Papier - Im Rahmen von PO-MOSTY 2025 wurde ein internationales Mail-Art-Projekt initiiert, das Künstler:innen aus über 40 Ländern einlädt...

Fluxus 2025 – Ja, dann ist das so!

Fluxus 2025 – Ja, dann ist das so! Eine Ausstellung zwischen Chicago und Hannover – ein Zustand im Fluss. Fluxus ist mehr als ein Kunstbegriff – es ist eine Haltung, ein Impuls, ein Widerspruch gegen das Etablierte. Seit den frühen 1960er-Jahren steht Fluxus für die Auflösung von Grenzen: zwischen Kunstformen, zwischen Künstler:innen und Publikum, zwischen Kunst und Leben selbst. Der Begriff, geprägt von George Maciunas, bedeutet „fließen“ – und genau dieses Prinzip zieht sich durch die Geschichte und Gegenwart der Bewegung. Nach der eindrucksvollen Präsentation in Chicago im August 2025, bei der die Chicago Danztheatre Ensemble zur Bühne für Installationen, Performances und interaktive Momente wurde, setzt sich die Reise von Fluxus nun in Hannover fort. Am 6. und 7. September 2025 öffnet die Kunst & Musik Etage Hannover ihre Türen für die Ausstellung „Fluxus 2025 – Ja, dann ist das so!“, Initiiert von Lars Schumacher die im Rahmen des renommierten ZINNOBER Kunstfestivals gezeigt w...

13. Kunstbiennale von Ziguinchor Z’Arts 2024

Internationale Mail-Art-Ausstellung in Ziguinchor, Senegal Im Rahmen der 13. Ziguinchor Z’Arts Kunstbiennale 2024 präsentierte die Künstlerresidenz Kuyam Baa in Casamance zusammen mit den renommierten Künstlern Hervé Alexandre und Omar Bouki Camara vom 19. bis 28. Dezember 2024 eine internationale Mail-Art-Ausstellung zum Thema Afrikanische Porträts. Diese einzigartige Kunstinitiative ist eine Premiere in Westafrika. Was ist Mail Art? Mail Art, eine Kunstbewegung, die 1962 vom amerikanischen Künstler Ray Johnson ins Leben gerufen wurde, nutzt den Postweg als kreatives Medium. Briefe und Umschläge verwandeln sich in künstlerische Ausdrucksformen, wodurch diese Bewegung eine Alternative zu traditionellen Kunstformen darstellt. Mail Art fördert den internationalen Austausch zwischen Künstlern aus aller Welt, geprägt von großer Freiheit in Techniken und Ausdrucksformen wie Fotografie, Malerei oder Collage.