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Kurt Schwitters Mail Art Projekt Ausstellung

Im Herbst 2019 präsentierte der experimentelle Kunstraum Día. – Raum für Automedialität in Hannover‑Linden eine Ausstellung, die den historischen Avantgardisten Kurt Schwitters in einen zeitgenössischen, globalen Dialog über Postkunst und mediale Selbstorganisation stellte. Das Kurt Schwitters Mail Art Project, eröffnet am 14. September 2019, versammelte über fünf Wochen hinweg Beiträge von Künstlerinnen und Künstlern aus Europa, Asien, Nord- und Südamerika. Die Ausstellung wurde von der hannoverschen Mail‑Art‑Künstlerin Astrid Jahns initiiert und kuratiert, deren langjährige Praxis im Bereich Collage, Assemblage und postalischer Kommunikation das Projekt konzeptionell prägte.

Día, ein Ort, der sich dezidiert mit Automedialität, experimentellen Bildprozessen und performativen Medienpraktiken beschäftigt, bot den idealen Rahmen für eine Ausstellung, die Schwitters’ Merz‑Gedanken in die Gegenwart überführt. Der Kunstraum versteht sich als Labor, in dem Medien nicht nur Werkzeuge, sondern aktive Akteure sind – ein Ansatz, der sich mit Schwitters’ radikaler Erweiterung des Kunstbegriffs deckt. Die Ausstellung griff diese Haltung auf, indem sie Mail Art als ein System der offenen Zirkulation zeigte: Kunst als Kommunikation, als Fragment, als Spur, als globales Netzwerk.

Die eingereichten Arbeiten – Collagen, Stempelbilder, Assemblagen, konzeptuelle Postkarten, visuelle Poesie und experimentelle Drucke – bildeten ein vielstimmiges Archiv zeitgenössischer Mail‑Art‑Praxis. Viele Beiträge reagierten direkt auf Schwitters’ Merz‑Ästhetik: die Zerlegung und Neukombination von Materialien, die Betonung des Zufalls, die poetische Kraft des Alltagsfragments. Andere Arbeiten erweiterten den Diskurs um politische, soziale oder autobiografische Dimensionen und zeigten, wie Mail Art als demokratisches Medium weiterhin globale Resonanz entfaltet.

Die Ausstellung war bewusst niedrigschwellig konzipiert: Besucherinnen und Besucher konnten die eingegangenen Arbeiten nicht nur betrachten, sondern auch berühren, lesen, weiterdenken. Der Raum wurde zu einem Ort der Begegnung, an dem internationale Korrespondenzen sichtbar wurden und neue Kommunikationslinien entstanden. Damit knüpfte das Projekt an die historische Praxis der Mail Art an, die seit den 1960er Jahren als Gegenmodell zu institutionellen Kunstsystemen fungiert – ein Netzwerk, das auf Austausch, Partizipation und Offenheit basiert.

Die Liste der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigt die enorme geografische Spannweite des Projekts. Künstler aus Städten wie New York, Tokyo, Buenos Aires, Lissabon, Barcelona, Caracas, Montevideo, Istanbul, Paris, Wien, Berlin, Bremen, Kassel, Burgdorf und vielen weiteren Orten machten die Ausstellung zu einem globalen Resonanzraum. Besonders bemerkenswert ist die Teilnahme von Mail‑Art‑Ikonen wie Ryosuke Cohen, Clemente Padín, Ruggero Maggi und Katerina Nikoltsou, deren Arbeiten die Geschichte und Gegenwart der internationalen Mail‑Art‑Bewegung prägen.

Auch regionale Bezüge wurden sichtbar: Mit Beiträgen von Stefan Heuer, Lars Schumacher und Susanne Schumacher war das Projekt zugleich in der lokalen Kunstszene verankert. Diese Verbindung zwischen globaler Vernetzung und regionaler Verortung entspricht Schwitters’ eigener Biografie, die zwischen Hannover, dem Merzbau und seinen internationalen Stationen oszillierte.

Das Kurt Schwitters Mail Art Project im Día war somit mehr als eine Ausstellung: Es war ein lebendiger Kommunikationsraum, ein Archiv globaler künstlerischer Beziehungen und eine zeitgenössische Hommage an Schwitters’ Idee der Merz‑Kunst. Die Präsentation zeigte, wie Mail Art als künstlerische Praxis weiterhin Grenzen überschreitet – geografisch, medial, institutionell – und wie sie als demokratisches Medium eine offene, partizipative Kunstform bleibt, die sich ständig neu erfindet.


Kurt Schwitters Mail Art Projekt Ausstellung | Exhibition

Día. –  Raum für Automedialität, Kötnerholzweg 13 – 30451 Hannover – Germany

Eröffnung 14. September 2019 | 17h

Private View 14th September 2019 | 5 pm

Dauer der Ausstellung | Duration of the exhibition 15.09. – 20.10.2019

Teilnehmer | participants

Jakabhazi Alexandru Timisoara | RO Lutz Anders Berlin | DE Teri Anderson Essex | UK Mustafa Cevat Atalay Tekirdag | TR Fabrizio Bandini Florenz | IT Franco Ballabeni Colico | IT Tiziana Baracchi Venezia-Mestre | IT Allan Bealy New York | US Lutz Beeke Potsdam | DE John M. Bennett Columbus OH | US Eric Bensidon Paris | FR Ottmar Bergmann Lönsboda | SE Pedro Bericat Zaragoza | ES József Bíró Budapest | HU Miroslav-Batan Blagojevic Belgrad | RS Kevin G. Brandtner Wien | AT Walter Brovia Buenos Aires | AR Thomas Brunnschweiler Reinach BL | CH Rossana Bucci Corato BA | IT Bruno Chiarlone Cairo Montenotte | IT Leslie Caldera Cypress CA | US Guido Capuano Ispicia-Ragusa | IT  Bruno Cassaglia Quiliano | IT Robin Chuter London | UK Nicole Clöer Stuhr-Brinkum | DE Ryosuke Cohen Ashiya-City Hyogo | JP Rejean F Cote Sainte-Flavie | CA Pál Csaba Budapest | HU DADANAUTIK (Walter Bachmann) Bremen | DE Marie-Christine De Grave Berlaar | BE Lien de Klerk Breda | NL Glória W. de Oliveira Souza Sao Pãulo | BR Cem Demir Adana | TR Hakan Demir Adana | TR Elisa Battistella S. Donato Msc | IT Amadeu Escórcuo Lissabon | PT Luc Fierens Weerde | BE Piet Franzen / SIDAC Leiden | NL Anna Karina Fries Schweinfurt | DE Thorsten Fuhrmann Huglfing | DE Claudio Gavina Stradella PV | IT Rosalie Gancie Hyattsville MD | US Ruth Giles Tunbridge Wells | UK Carlo Maria Giudici Lecco | IT Raquel Gociol Buenos Aires | AR Susan Gold Windsor Ontario | CA Elke Grundmann Berlin | DE Sinasi Günes Istanbul | TR Heini Gut Stans | CH Roland Halbritter Nüdlingen | DE Hans Hess Schwarzenberg | DE Stefan Heuer Burgdorf | DE Andreas Horn Bremen | DE Barbara Ihme Gengenbach | DE Biró Ildikó Szeged | HU ILMAR Tartu | EE Connie Jean Cocoa Beach FL | US Tamara Jelaca Droitwich Spa | UK Andrea Jenkins Lincoln CA | US Miguel Jimenez Sevilla | ES Adamandia Kapsalis Chicago IL | US  P. W. Kaufmann Maur | CH Norbert Koczorski Diepholz | DE Wolfgang Kraus (aka Welfchen) München | DE  Susanna Lakner Stuttgart | DE Michael Ley Berlin | DE Oronzo Liuzzi Corato BA | IT Ruggero Maggi Milano | IT  Dóroan Ribas Marinho Balneário Camboriú | BR Christophe Massé Bordeaux | FR Pietro Romano Matarrese Bari | IT  Manuela Merl München | DE Ute Mescher Kassel | DE Miche-Art-Universalis Deurne | BE Virginia Milici Paese TV | IT Regine Mönkemeier Lübeck | DE Jesús Morales Caracas | VE Antonio Mousinho Póvoa de Santo Adrião | PT Peter Müller Bremen | DE Keiichi Nakamura Tokyo | JP  Katerina Nikoltsou Tessaloniki | GR Jürgen O. Olbrich Kassel | DE Janys Oliveira Fortaleza | BR Clemente Padin Montevideo | HU Rémy Pénard Limoges | FR Silvano Pertone Varazze SV | IT Klaus Pinter Wien | AT Horváth Piroska Ried im Innkreis | DE Poul Poclage Guldborg | DK Hans Polterauer Münzkirchen | AT Nadia-Cella Pop Brasov | RO Maria Viktoria Boné Ramirez Nueva Palmira | UY Kendall Reid St. Petersburg Florida | US Sabine Remy Düsseldorf | DE Valentí Moré Ribera Barcelona | ES Michael Ridge Norwich | UK André Robèr Ille sur Tet | FR Mauricio Rosa Serra da Mantiqueira | BR Sigrid Sack Heilbronn | DE  Heike Sackmann Winnenden | DE Ueli Sager Suhr | CH Marina Salmaso Kopenhagen | DK Roberto Scala Massa Lubrense | IT Lars Schumacher Burgdorf | DE Susanne Schumacher Burgdorf | DE Mark Sonnenfeld East Windsor NJ | US Pere Sousa Barcelona | ES Honoria Starbuck Austin TX | US Patrick Steffen Basel | CH StraDA DA (Giovanni & Renata) Ravenna | IT Jaromir Svozilik Oslo | NO Piotr Szreniawski Lunlin | PL Trakya University, Faculty of Fine Arts Karaa?aç/ ED?RNE | TR Horst Tress Köln | DE  Alan Turner Ceredigion | UK Mikel Untzilla Legazpi | ES Paul Vigo Huesca | ES Michel Della Vedova Limoges | FR  Daniele Virgilio La Spezia | IT Willemien Visser Oldenburg | DE Jürgen Völkert-Marten Gelsenkirchen | DE Rosanna Veroesi Milano | IT Simon Warren Tring | UK Karen Wood Big Bear Lake CA | US Bernhard Zilling Berlin | DE Robert Znajomski Leczna | PL

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