Für eine Kunstausstellung in Porto zum Thema “Meine Strasse” bin ich für das Online Magazin “Correio do Porto” zur Kunst und zu meiner Verbindung nach Portugal gefragt worden. Der Artikel in portugiesisch / englisch ist heute veröffentlicht worden:
Lars Schumacher é realizador de cinema e fotógrafo alemão. Nasceu em Burgwedel e vive hoje em Burgdorf, Hannover, Baixa Saxónia. A queda do muro de Berlim, facto histórico vivido pelos alemães de modo muito intenso, serviu de tema para os seus primeiros trabalhos de comunicação visual. A primeira vez que visitou Portugal esteve em Peniche onde pôde apreciar o oceano Atlântico. Conhece o Porto e não esquece a chegada de comboio sobre a ponte Maria Pia: inesquecível. Quando ouve fado lembra-se dos tempos que passou por cá. Confessa que gostaria de voltar novamente.
Por Paulo Moreira Lopes
1 – Date and place of birth (city and country)?
15.03.1971 Burgwedel, Germany.
2 – Up to the present day in which cities you lived permanently?
Hannover / Burgdorf, Lower Saxony, Germany.
3 – Academic qualifications?
Akademie Remscheid, Germany 2001-2004 Diplom [Public Relations / Photographic]Municipal University for administration in Lower Saxony [HSVN], Germany 2005-2008 [Diplom]
4 – Professional activity?
Film – Photographic – Social sculpture
5 – The place where you born and live influenced your artistic life? If so, why?
Lars Schumacher is working in the field of visual communication. As a means of artistic expression created short experimental films and photographs. With a documentary about the opening of the inner-German border and a film study of young people in his hometown Hannover already in 1989 he launched the free film work. The excellent film – trilogy “Speed, Spinning Head and Route 66″ is created from 1991 to 1992 in collaboration with Leif Schumacher. These and other films will be presented in the 1990′s at TV stations and international Filmfestivals. Since then, there is a commitment to a television format. He is involved since 1996 in the local television ministry in Lower Saxony for the projects OKOK TELEVISION and h1 – Television from Hannover. The artistic possibilities of photography have a strong influence on the film work. Since 2009, the independent photographic and artistic projects are more concentrate to art-exhibitions worldwide.
6 – When you think in Oporto (Portugal) remember immediately what?
Thoughts of Portugal are connected to thoughts of love. I was a teenager and my girlfriend went with a tour group in Portugal vacation. By train and hitchhiking, I drove in my first vacation from Hannover to Peniche to discover with her Portugal. The Atlantic, white wide beaches with caves and everywhere friendly and open-minded people in the cities of Lisbon and Porto. In many small towns turned the evening atmosphere with music, marches and people in the streets to a special experience. What remains is a sense of longing and desire of reunion.
Today , several years later , I have traveled the country several times and have friends here. A film of mine was shown at the Film Festival at Figueira da Foz.
7 – Have you ever visited Oporto? If so, why and what do you think of the city?
By train I reached the city of Porto for the first time; the view from the Maria Pia bridge over the Douro between Porto and Vila Nova de Gaia remained unforgotten. The old town offers great views, but the houses and flair near the Douro I especially like. My last visit to the city was the occasion of a Depeche Mode concert, fans from all over Europe traveled to the city, discovering the culture and the melancholy music Porto’s and Portugal. I hear Fado today I think back to the time in Porto. I would stay here again…
8 – Your address in the web/blogosphere to follow you?
www.larsschumacher.de
Interview published www.correiodoporto.pt
Lars Schumacher – “Meine Straße”: Erinnerung, Bewegung, Zugehörigkeit. In der internationalen Gegenwartskunst ist die Straße längst mehr als ein urbaner Raum; sie ist ein Speicher von Bewegungen, Begegnungen, politischen Umbrüchen und persönlichen Biografien. Für den deutschen Künstler Lars Schumacher, geboren 1971 in Burgwedel und seit Jahrzehnten zwischen Film, Fotografie und sozialer Skulptur tätig, wird die Straße zu einem Ort, an dem sich Geschichte und Intimität berühren. Seine Teilnahme an der Ausstellung “Minha Rua / Meine Straße” in Porto eröffnet einen Blick auf ein Œuvre, das sich aus visueller Kommunikation, dokumentarischer Sensibilität und biografischer Migration speist. Schumachers künstlerische Laufbahn beginnt in einem Moment, der die europäische Geschichte neu ordnet: dem Fall der innerdeutschen Grenze 1989. Seine frühen Filme – darunter die dokumentarische Studie über die Öffnung der Grenze und die Arbeit über Jugendkultur in Hannover – markieren einen präzisen Blick auf gesellschaftliche Übergänge. Die Straße erscheint hier als Schwellenraum, als Ort, an dem politische Ereignisse unmittelbar in individuelle Lebensrealitäten eingeschrieben werden. Diese Haltung prägt auch die späteren Arbeiten. Die experimentelle Filmtrilogie “Speed”, “Spinning Head” und “Route 66”, entstanden 1991–1992 gemeinsam mit Leif Schumacher, zeigt Bewegung als existenzielles Motiv. Geschwindigkeit, Orientierung, Verlust und Wiederfinden werden zu einer ästhetischen Grammatik, die sich später in der Fotografie fortsetzt. Wenn Schumacher über Portugal spricht, spricht er über Erinnerung. Seine erste Reise – als Jugendlicher, per Zug und per Anhalter – führt ihn nach Peniche, an den Atlantik, in eine Landschaft, die sich tief in seine visuelle Wahrnehmung einschreibt. Die Ankunft in Porto über die Ponte Maria Pia, der Blick auf den Douro, die Melancholie des Fado: Diese Eindrücke bilden einen emotionalen Untergrund, der sich später in seinen fotografischen Arbeiten wiederfindet. Portugal wird für Schumacher zu einem Ort der Wiederkehr, nicht als touristische Kulisse, sondern als kulturelle Topografie, die sich mit seiner eigenen Biografie verschränkt. Die Städte, die Musik, die Menschen bilden ein Gegenbild zu den deutschen Landschaften seiner Herkunft und eröffnen eine zweite Straße: eine Straße der Erinnerung, der Sehnsucht und der Zugehörigkeit. Die Ausstellung in Porto stellt die Frage nach der Straße als persönlichem und kollektivem Raum. Schumachers Beitrag antwortet darauf mit einer Poetik des Dazwischen. Seine fotografischen und filmischen Arbeiten sind keine Abbildungen von Orten, sondern Verdichtungen von Atmosphären. Sie zeigen, wie Wege zu Erzählungen werden und wie Erzählungen wiederum Wege öffnen. In diesem Sinne ist “Meine Straße” bei Schumacher nie nur die Straße seiner Kindheit oder seiner Heimatstadt; es ist die Straße nach Peniche, die Straße über die Maria-Pia-Brücke, die Straße der europäischen Umbrüche, die Straße der künstlerischen Selbstfindung. Sie ist ein Netzwerk aus Bewegungen, das sich über Jahrzehnte hinweg fortschreibt. Schumachers Werk ist geprägt von einer interdisziplinären Ausbildung und von einer kontinuierlichen Arbeit im Bereich des lokalen Fernsehens in Niedersachsen. Diese Verbindung von Medienpraxis und sozialer Interaktion führt zu einer künstlerischen Haltung, die Joseph Beuys’ Idee der sozialen Skulptur weiterdenkt: Kommunikation als Form, Öffentlichkeit als Material, Begegnung als künstlerischer Prozess. Seine fotografischen Projekte seit 2009, die weltweit in Ausstellungen gezeigt werden, folgen dieser Logik. Sie sind präzise, still, atmosphärisch und zugleich offen für die Geschichten derjenigen, die ihnen begegnen. Porto ist für Schumacher nicht nur ein geografischer Punkt, sondern ein emotionaler Anker. Die Stadt erscheint in seinen Erzählungen als Ort der Melancholie und der Musik, als Ort der Jugend und der Wiederkehr. Ein Depeche-Mode-Konzert, ein Filmfestival in Figueira da Foz, Freundschaften, die über Jahre gewachsen sind – all dies bildet ein Geflecht, das seine künstlerische Arbeit subtil begleitet. Für die Ausstellung “Meine Straße” wird Porto damit selbst zur Straße: ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart ineinander übergehen und an dem Kunst zu einer Form der Rückkehr wird.
