Die Finissage der Ausstellung „Expanded Field I – Migrating the Colour Fields“ im Kunstraum MITTE37 wurde am 25. Juni zu einem eindrucksvollen Höhepunkt des transatlantischen Symposiums „The Ocean Between 9“. Bereits die Begrüßung durch Kunstraum‑Initiatorin Susanne Schumacher machte spürbar, dass dieser Abend mehr sein würde als ein klassischer Ausstellungsabschluss: Er wurde zu einem Ort der Begegnung, des Austauschs und der künstlerischen Resonanz zwischen Chicago, Burgdorf und Hannover.
Ein Wiedersehen – und ein Auftakt voller Energie
Symposiumsinitiatorin Marianna Buchwald stellte zu Beginn die anwesenden Künstler*innen vor, deren Werke und Performances die Ausstellung geprägt hatten:
Amy Hanks, Daniela Castro, Judith Meyer, Kao Ra Zen, Kathryn Hempel, Kevin B. Chatham, Rychard Syska, Lori Kaplan, Marianna Buchwald, Sarah W. Holmes, Beate Axmann und Takako.
Besonders herzlich fiel das Wiedersehen mit Lori Kaplan aus. Ihre farbenfrohen Arbeiten hatten bereits zur Eröffnung begeistert. Im Gespräch erzählte sie, wie sehr sie Burgdorf schätze – die Häuser, die Begegnungen, die Atmosphäre. Schon bei ihrem ersten Besuch hatte sie Fotos gemacht, um Freund*innen in Chicago von diesem Ort zu erzählen.
Ein Raum wird zum Kino – und Chicago erzählt
Der Verein Bürger für Bürger e. V. verwandelte seine Räume für diesen Abend in ein kleines, liebevoll eingerichtetes Kino. Helmut Windolph sorgte für Atmosphäre, während Kristin Heike vom hannoverschen Verein Krass Unartig e. V. die Technik betreute und für präzisen Sound sorgte.
Der aus Manchester angereiste Dokumentarfotograf Simon Parfrement, bekannt für seine Arbeiten über Subkulturen, begleitete den Abend fotografisch.
Und ganz spontan setzte Friedrich Schumacher mit einem kurzen Akkordeon‑Medley einen musikalischen Akzent, der den Bogen zur regionalen Schützentradition schlug.
„Dislocation“ von Group 312 Films
Hier präsentierten Kevin B. Chatham und Rychard Syska ihren Filmreihe „Dislocation“ und gaben einen persönlichen Einblick in die Arbeit von Group 312 Films, Chicagos experimentellem Videokollektiv. Sie berichteten, wie sie monatlich neue Kurzfilme entwickeln, miteinander experimentieren und sich gegenseitig inspirieren.
Mit spürbarer Freude erzählten sie, wie offen und aufmerksam das Publikum in Burgdorf und Hannover ihre Filme aufgenommen hatte – ein Moment, der zeigte, wie unmittelbar Filmkunst Menschen über Kontinente hinweg verbinden kann.
Kao Ra Zen – Spoken Word, Rap und eine Stimme voller Nähe
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der Auftritt des Spoken‑Word‑Poeten Kao Ra Zen. Mit seiner warmen, direkten Art schuf er sofort Nähe zum Publikum. Seine Performance war zugleich leicht, kraftvoll und zutiefst persönlich.
Er präsentierte drei Stücke: Interpretation von „Imagine“ — eine Spoken‑Word‑Version, eine Poetische Reflexion über Identität, Wandel und gesellschaftliche Spannung die während der ersten Amtszeit Donald Trumps entstand, geprägt von eigenen Erfahrungen als Mitarbeiter in einem Trump - Unternehmen und ein Rap‑/Spoken‑Word‑Medley, das den Raum spürbar in Bewegung brachte. Für viele Besucher*innen war dies der Moment, in dem Chicago und Burgdorf sich auf Augenhöhe begegneten – unmittelbar, menschlich, voller Lebensfreude.
In Moderation und Übersetzung verbanden Lars Schumacher und Marianna Buchwald die Gespräche zwischen Künstler*innen und Publikum zu einem weit gespannten Dialog.
Die Diskussionen reichten bis zum letzten Bus nach Hannover – ein Zeichen dafür, wie sehr dieser Abend Resonanz erzeugte und wie lebendig der Austausch war.
Dass die Finissage bewusst auf den Tag des Burgdorfer Schützenfest‑Festumzugs gelegt wurde, erwies sich als Glücksgriff: Die US‑amerikanischen Gäste waren begeistert von der geschmückten Marktstraße, der Straßenmusik der Fanfaren‑ und Musikzüge und der festlichen Atmosphäre des Ausmarschs.
Die Finissage zeigte eindrucksvoll, was MITTE37 auszeichnet: einen Raum, in dem Kunst präsentiert, geteilt, besprochen und gemeinsam erlebt wird. Einen Ort, an dem das „Ocean Between“ zu einem Element des Zusammenkommens wird.
Chicago und Burgdorf rückten an diesem Abend spürbar näher zusammen – durch Kunst, durch Gespräche, durch Musik und Film und durch die Freude am gemeinsamen Erleben.