Die Ausstellung Cultur Bridge in der Scharpenberg Gallery des DANK Haus German American Cultural Center in Chicago präsentiert vom 20. Februar bis zum 19. März 2016 ein gemeinsames Werk der hannoverschen Künstlerin Renate Golde und des Burgdorfer Künstlers Lars Schumacher. Die Arbeit entstand im November und Dezember 2015 in Hannover und Paris und reagiert unmittelbar auf die Terroranschläge vom 13. November 2015, deren Bilder, Geräusche und atmosphärische Erschütterungen sich tief in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben haben. Golde und Schumacher begegnen diesem historischen Moment nicht dokumentarisch, sondern durch eine künstlerische Verdichtung, die persönliche Wahrnehmung, räumliche Erfahrung und die Fragilität urbaner Öffentlichkeit miteinander verwebt. Die Scharpenberg Gallery, im vierten Stock des DANK Haus gelegen, bildet dafür einen präzisen Resonanzraum: ein heller, weitläufiger Ausstellungsort, dessen architektonische Klarheit den Blick auf die Werke konzentriert und zugleich die Geschichte des Hauses als kulturelle Brücke zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten spürbar macht. Die Galerie ist Teil eines Gebäudes, das seit Jahrzehnten als Ort deutsch‑amerikanischer Begegnung fungiert und damit einen Kontext schafft, in dem Fragen nach kultureller Identität, Migration, Erinnerung und transnationaler Erfahrung selbstverständlich mitschwingen.
Golde und Schumacher nutzen diesen Kontext, um ein Werk zu entwickeln, das die Grenzen individueller Handschrift bewusst überschreitet. Ihre Zusammenarbeit ist nicht als Addition zweier Positionen zu verstehen, sondern als ein Prozess des gemeinsamen Sehens und Formulierens. Die Arbeit reflektiert die Ereignisse von Paris nicht als abgeschlossene historische Tatsache, sondern als fortdauernde Bewegung, die sich in Körpern, Städten und sozialen Räumen fortsetzt. Beide Künstlerinnen und Künstler arbeiten mit einer Bildsprache, die zwischen Abstraktion und Figuration oszilliert, zwischen Verdichtung und Auflösung, zwischen Nähe und Distanz. Die in Paris entstandenen Eindrücke – die Stille nach dem Lärm, die veränderte Wahrnehmung von Straßen, die Spannung zwischen Alltag und Ausnahmezustand – werden in Hannover weitergeführt, transformiert und in eine gemeinsame künstlerische Sprache überführt. Die Ausstellung macht sichtbar, wie sich zwei unterschiedliche künstlerische Biografien in einem Moment globaler Erschütterung berühren und wie aus dieser Berührung ein Werk entsteht, das die Frage nach Verletzbarkeit und Zusammenhalt neu stellt.
Renate Golde ist zur Vernissage am 20. Februar in Chicago anwesend und öffnet damit einen weiteren Raum der Begegnung: die persönliche Präsenz der Künstlerin ermöglicht Gespräche über die Entstehung der Arbeit, über die Rolle von Kunst in Zeiten politischer Gewalt und über die Möglichkeiten, mit ästhetischen Mitteln auf gesellschaftliche Brüche zu reagieren. Die Ausstellung lädt das Publikum ein, sich nicht nur als Betrachtende, sondern als Teil eines offenen Dialogs zu verstehen. Die Einladung zu einem öffentlichen Empfang von 18 bis 22 Uhr unterstreicht diesen Gedanken und knüpft an die Tradition des DANK Haus an, Kunst als sozialen Prozess zu begreifen.
Cultur Bridge ist damit mehr als eine Ausstellung. Sie ist ein kuratorisch präzise gesetzter Moment transnationaler Zusammenarbeit, ein Beispiel dafür, wie Kunst Räume öffnet, in denen komplexe Erfahrungen geteilt, reflektiert und neu gedacht werden können. In der Verbindung von persönlicher Erinnerung, kollektiver Erschütterung und internationaler Zusammenarbeit entsteht ein Werk, das sich in die gegenwärtige Diskussion über die Rolle der Kunst im Umgang mit globalen Krisen einschreibt und zugleich die Bedeutung kultureller Brücken zwischen Europa und den USA sichtbar macht.
