Direkt zum Hauptbereich

100 Jahre Film – 30 Jahre WERKSTATT FÜR JUNGE FILMER

„Werkstatt für junge Filmer“ feiert Geburtstag:

100 Jahre Film - 30 Jahre WERKSTATT FÜR JUNGE FILMER - 10 Jahre im Wiesbadener Wilhelm-Kempf-Haus

Es gibt sie, die junge deutsche Filmszene, denn viele Teilnehmer sind regelmäßig seit Jahren mit Beiträgen auf der „Werkstatt für junge Filmer“ in Wiesbaden vertreten. Zwar gelten Berlin, Cannes und Venedig in Europa als der Treffpunkt für Filmemacher aus aller Welt. Doch deutsche Filme sind auf diesen Festivals seit Jahren sehr rar, und auch im Jubiläumsjahr des Filmes gibt es bisher national noch keinen Höhepunkt. Es muss mehr getan werden für junge Talente. In Deutschland gibt es jedoch für junge Nachwuchsregisseure einige Treffpunkte, die den Jungfilmern viel bedeuten.

Diese Städte werden leider noch mit dem Begriff Film unmittelbar in Verbindung gebracht, doch sind sie in der Filmszene der „Knaller“. Der absolute Höhepunkt findet alljährlich in Wiesbaden/Naurod im Wilhelm-Kempf-Haus statt. Hier geht es nicht um Bären, Palmen oder Löwen; nein hier ist das Dabeisein alles. Der Gedankenaustausch, die Filme und die gesamte Atmosphäre machen diese Pfingsttage für die Teilnehmer zu einem Anziehungspunkt aus allen Teilen Deutschlands.

Marc-Andreas Bochert, Oliver Bittner, Christian Meier, Isabell Spengler und Hans-Helmut Häßler stehen schon während ihres Filmstudiums kurz vor der Professionalität. Gerade der Bochert Film „Das Muster“, nur als Kameraübung im ersten Semester geplant, brilliert mit einer schönen Idee und einem professionell anmutenden Hauptdarsteller. Sicherlich ein Film, der seinen Weg in das öffentlich rechtliche Fernsehprogramm finden wird und hoffen lässt, dass Berlin, Cannes oder Venedig in einigen Jahren von den genannten Filmemachern Beiträge ins Programm nehmen werden.

Das Programm auf der Werkstatt, aus 66 Filmen zusammengestellt, überraschte mit 3 Beiträgen , die eine Spielzeit von über 45 min. aufwiesen. Kann ein abendfüllender Amateurspielfilm bzw. Dokumentarfilm wirklich 150 Zuschauer in seinen Bann ziehen und die Spannung halten? Die Filme „Operation Beauty..“, „Paris Scénes“ und „Indiana Jost..“ haben es geschafft.

„Indiana Jost“ von Eicke Bettinga & Co aus Aurich ist, wie im vergangenen Jahr der Film „Jan Bond“, eine Pereiflage auf einen Filmklassiker. Bemerkenswert ist neben der Ausstattung die Kameraarbeit, denn diese wurde auf selbstgebauten Dolly´s und Kränen bewegt und steht in Bezug zu den Kamerafahrten dem Original in nichts nach.

Alle Teilnehmer hatten nach der gemeinsamen Sichtung eines Filmes die Möglichkeit die/den entsprechende/n Regisseur/in über seine/ihre Arbeitsweisen, Absichten und Produktionsbedingungen zu interviewen. Oft reichte diese Zeit nicht aus, und so wurden die weiteren Diskussionen in den Nächten vertieft.

Sehr kontroverse Diskussionen gab es nach den drei Filmen der Remscheider Gruppe Brot & Spiel, die auch seit Jahren das Programm bereichern. Einer ihrer Filme wurde im Wiesbadener „Kino Caligari“ gezeigt. In der öffentlichen Caligarivorstellung haben alle Interessierten aus dem Gebiet Wiesbaden/Mainz die Möglichkeit, einige bemerkenswerte Kurzfilme auf der Leinwand eines altehrwürdigen Filmtheaters zu bewundern.

Dieser Abend ist zu einer festen Einrichtung geworden und bot im Foyer das Ambiente, um auf diese großen Jubiläen anzustoßen. Zur Veranstaltung waren Festivalorganisatoren aus Warschau, Weiterstadt, Wiesbaden, Burgdorf, Uelzen, Remscheid und vom Europäischen Schülerfilmfestival aus Hannover angereist, um hier einige „frische“ Produktionen zu bewundern und für ihre Festivals zu werben. Aufgelockert wurde die Werkstatt im Wilhelm-Kempe-Haus durch eine interkreative Malaktion, die während der ganzen Veranstaltung von Angela Schubert aus Dresden geleitet wurde.

Bereits eine Woche vor der Werkstatt hatten sich 25 Filmemacher in der Akademie Remscheid getroffen, um hier mit dem Material 16mm Film und Video zu arbeiten. Aus dem Trickfilm und Lichtworkshop Visionen und Stimmungen werden die Ergebnisse spontan im Anschluss an einen Filmblock präsentiert.

Angeregt hiervon wurde für die nächste Werkstatt eine „Trash Night“ gewünscht, in der spontan Filmemacher ihre „Underground“ Produktionen auf der Leinwand präsentieren können.

Ein großes Lob erhielten die Veranstalter, das Team vom Bundesverband Jugend und Film e.V., insbesondere Berndt Güntzel-Lingner, freiberuflicher Medienpädagoge und Organisator des Festivals für den beispielhaften Ablauf von allen Teilnehmern während der Abschlußdiskussion. Corinna Nilson und Sven Taddicken wurden von den anwesenden Besuchern in die Vorauswahlkommission für die nächste Veranstaltung gewählt.

Jetzt bleibt den jungen Talenten wieder ein Jahr Zeit, um neue Produkte zu realisieren. Die Vorfreude wird sich bis Pfingsten steigern, wenn es wieder heißt „Vorhang auf – Film ab“, die Werkstatt für junge Filmer 1996.

Lars Schumacher

Beliebte Posts aus diesem Blog

Postkunst auf Festival in Polen - PO-MOSTY 2025

In einer Welt, die von digitalen Reizen überflutet wird, wirkt Mail Art fast wie ein poetischer Anachronismus – und doch ist sie aktueller denn je. Auf dem diesjährigen internationalen Festival der visuellen Künste PO-MOSTY WIELOKULTUROWOŚCI in Częstochowa und Zawiercie nimmt Mail Art - Postkunst, eine besondere Rolle ein: als Medium der Verbindung, als künstlerischer Brief zwischen Kulturen und als stiller Protest gegen das Vergessen. Was ist Mail Art?  Mail Art – oder Postkunst – ist eine Kunstform, die seit den 1960er Jahren existiert und sich über das Versenden von Kunstwerken per Post definiert. Es geht nicht nur um das Objekt selbst, sondern um den Akt des Sendens, des Teilens, des Kommunizierens. In Zeiten von Algorithmen und automatisierten Nachrichten ist Mail Art ein zutiefst menschlicher Ausdruck. Mail Art auf dem Festival: Brücken aus Papier - Im Rahmen von PO-MOSTY 2025 wurde ein internationales Mail-Art-Projekt initiiert, das Künstler:innen aus über 40 Ländern einlädt...

Fluxus 2025 – Ja, dann ist das so!

Fluxus 2025 – Ja, dann ist das so! Eine Ausstellung zwischen Chicago und Hannover – ein Zustand im Fluss. Fluxus ist mehr als ein Kunstbegriff – es ist eine Haltung, ein Impuls, ein Widerspruch gegen das Etablierte. Seit den frühen 1960er-Jahren steht Fluxus für die Auflösung von Grenzen: zwischen Kunstformen, zwischen Künstler:innen und Publikum, zwischen Kunst und Leben selbst. Der Begriff, geprägt von George Maciunas, bedeutet „fließen“ – und genau dieses Prinzip zieht sich durch die Geschichte und Gegenwart der Bewegung. Nach der eindrucksvollen Präsentation in Chicago im August 2025, bei der die Chicago Danztheatre Ensemble zur Bühne für Installationen, Performances und interaktive Momente wurde, setzt sich die Reise von Fluxus nun in Hannover fort. Am 6. und 7. September 2025 öffnet die Kunst & Musik Etage Hannover ihre Türen für die Ausstellung „Fluxus 2025 – Ja, dann ist das so!“, Initiiert von Lars Schumacher die im Rahmen des renommierten ZINNOBER Kunstfestivals gezeigt w...

Goethe-Institut e. V. - Nachrichten aus der Bildenden Kunst in Deutschland

Nachrichten aus der Bildenden Kunst in Deutschland 48 Stunden Kunst – eine Symbiose (05.10.2012) Vom 5. bis 7. Oktober 2012 wird das Sofaloft in Hannover-Südstadt zum achten Mal 48 Stunden lang mit Kunst in sämtlichen Varianten bespielt. In der achten Ausgabe der Veranstaltung „48 Stunden“ in Hannover bewarben sich die Künstler nicht zu einem festen Thema sondern mussten mit den Zahlen 1925132915195 umgehen können. Ein System nennt Veranstalter Ralf Sommer die Vorgabe. Die Künstler, die enträtseln sollten, was die Zahlen bedeuten – das Ergebnis hieß „Symbiose“ – suchten sich im Anschluss einen Symbiosepartner. So entstanden ungewöhnliche Künstler-Kombinationen wie zum Beispiel Maler und Tänzer, Schriftsteller und Fotograf oder Musiker und Produktdesigner. Die Ergebnisse dieser Symbiose können in einer 48 Stunden langen Ausstellung betrachtet werden. Unter anderem präsentieren der Bildhauer Frederik Krahforst und der Fotograf Lars Schumacher die Installation FEM – eine audiovisuelle ...